Niddatal lernt Krisenvorsorge: Gemeinsam stark im Notfall | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Eine erfolgreiche Kursreihe in Niddatal stärkt die individuelle und gemeinschaftliche Krisenvorsorge.

Niddatal lernt Krisenvorsorge: Gemeinsam stark im Notfall

Niddatal / Ilbenstadt

Im Jahr 1825 war Krisenvorsorge keine Theorie, sondern Überlebenspflicht. Wenn die Sturmglocke läutete, griff jeder Niddataler zum ledernen Feuereimer; man bildete die Eimerkette zum Brunnen, weil man wusste: Hilfe kommt nicht von außen, sie kommt von nebenan.

Heute, zwei Jahrhunderte später, herrscht oft das blinde Vertrauen in die digitale Vollkaskogesellschaft vor. Doch nach der großen Resonanz auf die ASB-Veranstaltungen im benachbarten Karben hat nun auch Niddatal bewiesen, dass der Wunsch nach individueller Resilienz zurückgekehrt ist.

Unter dem Titel „EHSH2 – Vorbeugung und Reaktion im Zivilschutz und Katastrophenfall“ organisierte der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) gemeinsam mit der Stadt Niddatal eine Kursreihe, die einen Nerv traf. Finanziert durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und somit für die Bürger kostenlos, füllten sich die Plätze bis auf den letzten Rang.

Vorsorge ist Teamarbeit: Vom Keller bis zur Seele

Die Referenten Hans Dietmar Köhn und Henning Hachmann vom ASB führten die Teilnehmer durch einen Abend, der weit über das bloße Abheften von Checklisten hinausging. „Was nützen mir 20 Pakete Nudeln, wenn ich kein Wasser zum Kochen habe?“, lautete eine der zentralen Fragen, die die Komplexität moderner Abhängigkeiten verdeutlichte. In intensiven Gruppenarbeiten entwickelten die Bürger eigene häusliche Vorsorgepläne: Wo lagern die Kerzen, Batterien und das Kurbelradio? Wer hat die Kopien der wichtigsten Dokumente wasserfest verpackt?

Ein besonderes Augenmerk lag auf einem oft unterschätzten Faktor: der psychischen Resilienz. In Krisenzeiten sind es nicht nur leere Regale, die belasten, sondern die Angst um die Familie und die Sorge um den Nachbarn. Der Kurs vermittelte Techniken zur „Psychischen Ersten Hilfe“, um auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben und Panik im engsten Umfeld abzufedern.

Die Stadt als Schutzschild

Der Bürgermeister Micheal Hahn ließ es sich nicht nehmen, die kommunale Seite der Medaille zu beleuchten. Er informierte über die städtischen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge – von der Sicherung der Trinkwasserbrunnen bis hin zu Notstromkonzepten für kritische Gebäude. Es wurde deutlich: Der Staat kann den Rahmen bieten, aber das Bild füllen müssen die Bürger selbst. Während das THW heute mit 25 spezialisierten Einheiten die technische Infrastruktur stützt, bleibt die „erste Meile“ der Hilfe immer noch eine persönliche Angelegenheit.

Fazit: Werden Sie zum „Brunnenmeister“ Ihrer Familie

Früher sorgte der dörfliche „Brunnenmeister“ dafür, dass die Quelle rein blieb und die Gemeinschaft im Notfall Wasser hatte. Heute muss jeder von uns ein Stück weit selbst zum Brunnenmeister werden. Die Geschichte lehrt uns, dass Sicherheit keine staatliche Dienstleistung ist, die man einfach abonniert, sondern ein dynamisches Gleichgewicht aus Vorbereitung und Zusammenhalt.

Die Zeit des bloßen Zusehens ist vorbei. Die Niddataler Kurse haben gezeigt, dass wir nicht ohnmächtig sind, wenn wir planen. Warten Sie nicht auf den nächsten Blackout oder das nächste Extremwetter. Prüfen Sie Ihre Vorräte, besprechen Sie den Notfallplan mit Ihrer Familie und setzen Sie Ihre Vorsorge noch heute um. Denn wenn die Sirenen heulen, ist es für die Planung zu spät.